Was ist ein Megamarsch – und warum „nur“ 25 km kein Spaziergang sind

IMG_9846

Halbmarathon? Marathon? Klar, alles Begriffe die ich schon mal gehört habe. Aber dass man Geld bezahlt, um gemeinsam mit tausend anderen Menschen einfach nur zu wandern – das war mir neu.

Dank Instagram wird man ja aber auf solche Events aufmerksam. Und wie so oft dachte ich mir:

„Warum nicht? Das Leben ist zu kurz, um nichts Neues auszuprobieren.“

Was ist überhaupt ein Megamarsch?

Als ich das erste Mal von Megamärschen lass, stellte sich mir die Frage: Ist das einfach nur ein Trend? Eine moderne Erfindung, um Menschen für weitere Selbstgeißelung zahlen zu lassen?

Ein sogenannter Megamarsch wird auch als Extremwanderung bezeichnet, bei der man Distanzen zwischen 50 bis 100 Kilometern zurücklegt. Mittlerweile gibt es aber auch kürzere Strecken – quasi für die „Rookies“, die noch nicht ganz wissen worauf sie sich da einlassen. Also Personen wie mich, die zwar passioniert wandern, aber noch nie an so einem Event teilgenommen haben.

Als wäre das nicht genug, gibt es noch die nächste Stufe: Ultramärsche oder Mammutmärsche – hier sprechen wir dann von teilweise über 100km.

Wobei ich mir denke: Mammuts hatten auch längere Beine als ich… für die wären 100km wahrscheinlich ein Spaziergang gewesen.

Die Entscheidung: 25km oder 50km?

Wie es der Zufall wollte, fand nur eine Stunde entfernt – in Dresden – ein Megamarsch statt.

Und mal ehrlich: „nur“ schlappe 69€ für eine neue Erfahrung? Warum nicht. 😉

Zur Auswahl standen 25 km (mein Gehirn so, ach komm du bist schon auf den Brocken gewandert mit fast den gleichen Km, aber mehr hm) und 50 km.

Mein erster Impuls also: natürlich lauf ich die 50km. Aber da ich nicht alleine unterwegs sein würde, entschieden wir uns für die 25 km.

Was Rückblickend eine sehr gute Entscheidung war.

Der Start - Stimmung vs. Realität

Am Start herrschte, wie üblich bei solchen Großveranstaltungen, eine unglaubliche Atmosphäre.

Menschenmassen, Vorfreude, ein bisschen Wahnsinn – und wir? Mittendrin.

Mit Startbändchen ausgestattet, die man neben einem Wanderheft und einen Aufkleber erhielt, reihten wir uns in die Schlange der Wartenden unterm großen Startbogen ein, auf dem die Worte Megamarsch prangten.

Um uns herum, also tausend Gleichgesinnte, oder vielleicht einfach nur andere Verrückte.

Und dann ging es auch schon los.

Die Strecke

War meine persönliche Enttäuschung. Die Route führte uns zunächst durch die Dresdner Neustadt raus aus dem Stadtzentrum in Richtung Weißer Hirsch. Klingt idyllisch wenn man dabei an die Schlösser an den Elbhängen denkt, fühlte sich aber stellenweise eher nach „Stadtrundgang auf Speed“ an.

Zu 90% bestand der Großteil der Strecke aus Asphalt und führte uns entlang mehr oder weniger stark befahrener Straßen. Spätestens hier merkte man  das wird kein entspannter Sonntagsspaziergang, sondern eher ein Test, wie lange Füße durchhalten, bevor sie anfangen zu protestieren.

Auf dem Rückweg ging es dann entlang der Elbe zurück in Richtung Innenstadt. Definitiv der schönere Teil der Strecke, wenn man sich nicht gerade mit Fahrradfahrern um den Elberadweg boxen musste.

Insgesamt war die Strecke  weniger „Wow, wie schön“, sondern mehr „Okay, einfach weiterlaufen“. 

Für die insgesamt 25km gab es zwei Verpflegungspunkte, mit eigentlich allem was man sich wünschen kann, neben Kaffee, Snacks, belegten Broten und Saft, gab es sogar bei Bedarf Elektrolyte.

An diesem Punkt dachte ich mir noch, wer braucht bei 25km Elektrolyte?

Spoiler: Ich wusste es am nächsten Tag.

Insgesamt war die Strecke aber sehr gut durchorganisiert und ein Verlaufen wäre glaube ich, gar nicht möglich gewesen. 

Meine Anfängerfehler

Wie immer wenn man etwas zum ersten Mal macht, und das obwohl ich viel wandere, hab ich auch hier meine Erfahrungen gesammelt.

Ich hatte viel zu viel dabei.

Snacks, zusätzliches Zeug – alles fein säuberlich im Rucksack verstaut, ums dann einfach nur mit mir rumzuschleppen.

Fazit: Ausreichend Getränke, Blasenpflaster, ggf. Wechselkleidung, mehr braucht man nicht. 

Die Infrastruktur ist so aufgebaut, dass niemand unterwegs verhungern muss, also schleppt nicht zu viel mit, das sind nur unnötige Kilo die euch das Leben schwerer machen.

Warum 25 km nicht minder wert sind als 50 km.

Typisches Thema auf Social Media: „Das ist doch noch kein Megamarsch, das laufe ich am Wochenende.“

Ich finde immer jegliche Herausforderung der man sich annimmt gehört irgendwo Respekt gezollt, denn jeder hat mal klein angefangen und meist kommen die Aha-Momente erst während der Strecke.

Während ich schon, wie zu Beginn erwähnt, auf den Brocken gewandert bin mit 23 km und sehr viel mehr Höhenmetern, war die Belastung hier eine ganz andere, zumindest habe ich es als anstrengender empfunden.

90% Asphalt, vielbefahrene Straßen und monotone Belastung. Die letzten 5 km fühlten sich an, als würden meine Füße gleich durchbrechen.

Dazu kam das Laufen in der Masse: Man passt sich ständig dem Tempo anderer an, findet keinen eigenen Rhythmus. Für mich hat sich die Strecke irgendwann deutlich länger angefühlt, als sie eigentlich war.

Und das wichtigste: Egal wie kurz oder lang eine Strecke ist, die Belastung auf die Füße und Gelenke ist enorm. Unser Körper leistet trotzdem Schwerstarbeit.

Also wenn man wieder jemand zu euch sagt, eure Leistung ist es nicht wert gefeiert zu werden, doch das ist sie, denn du bist im Gegensatz zu vielen anderen losgegangen.

Der Zieleinlauf

Nach etwa 4,5h erreichten wir das Ziel – das Zeitlimit beim 25 km Marsch lag bei 6h.

Ich war dann doch ehrlicherweise einfach nur froh, dass es vorbei war.

Nicht nur wegen der Strecke, sondern weil ich gegen meine eigene goldene Regel verstoßen hatte: Keine Schuhexperimente. Absoluter Klassiker also, ich merkte auf die letzten Kilometer, dass sich an meinem rechten Fuß etwas anbahnte und wusste, weitere Kilometer wären problematisch geworden.

Trotzallem waren wir stolz auf uns und irgendwie hat es sogar noch für ein lächelndes Selfie gereicht.

Insgeheim hab ich mich danach immer noch gefragt: Warum laufen Menschen freiwillig 50 km oder mehr? Bis mir einfiel, dass ich mich ja selbst schon für den nächsten Marsch angemeldet habe. Mit mehr Kilometern, und hoffentlich mehr Natur.

Aber vielleicht treffe ich ja sogar den ein oder anderen von euch im Juni beim ERZ35. 🙂

Achso: Beim 50-km-Marsch sind 2.568 Menschen gestartet und unglaubliche 2.326  haben das Ziel erreicht.

Und auch beim 25-km-Marsch sind von 1.929 Startern, ganz starke 1.833 Menschen durchs Ziel marschiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert